20110620

Wirrsal.



Es sank in mir, monoton und gemächlich, wie eine träge Sanduhr. Halbleere Zuversichten taxieren mich mit widersprüchlichen Gedanken, es ist einfach zum verfluchen. Ich spreche hier schließlich von waschechtem Wankelmut, mein werter Freund. Eigentlich weiß ich längst weniger, als dass ich dich ganz und gar nicht zu kennen bräuchte. Im Grunde genommen sind wir alle ein Niemand von vielen, viele von noch mehr, ersetzbar in unmissverständlichster Weise. Wer spricht und redet schon im gleichzeitigen Takt, verschwenderisch raubt man sich selbst all die kurzlebige Zeit durch belanglose Anbiederungen. Verbogen und gewunden brüskieren sich die Worte, es ist ein irrsinnig borniertes Gefecht. Für keine zweite Sekunde werde ich innerlich denken, hoffen, sprechen oder gedanklich abschweifen, denn ich bin keine Heldin, und war niemals eine wagemutige Figur in jenem Spiel, wo es eine Leichtigkeit ist, den Verstand galant zu verlieren. Mich fragend, wer nun der wahre Narr in dieser verirrten Geschichte ist, wird mir absehbar bewusst, das alles in meilenweiter Distanz liegt, unerreichbar für ein dummes Herz. Also steige ich lieber ins Taxi und lasse das unersättliche Wirrsal einmal hinter mir, das ich niemals wollte.





© mimiroux

20110617

Dürre Beherztheit.


An welchen lieblichen Ort sollen mich meine Füße tragen, wenn ich doch scheinbar nirgends bleiben kann? Welche unwahrhaftigen Züge streifen mein heimliches Lächeln, als die Gedanken meine Lippen hauchend in den dezenten Schlaf küssten? Ich verliere Worte, jede kleine Zuversicht entgleitet auf Zehenspitzen aus meiner Hand. Wohin geht ein mildes Lächeln, wenn du es an ein aufmerksames Herz schenkst? Es ergreift schmerzlich den Kopf, so hörte ich es. Einen ersten Schritt könnte ich noch zaghaft wagen, einen zweiten leichtfüßig gehen, aber ich merke kurzerhand wie dürr meine Beherztheit in Wirklichkeit atmet. Am nächsten Morgen der Nacht werde ich mich abermals fragen, mein Blick abschweifend, fernab von dort, wo ich nicht verweilen kann.



© mimiroux

20110615

Regenperlen.


rain



Ich dachte, ich würde träumen... als der Regen in der heutigen Nacht so verspielt an meinem geöffneten Fenster klopfte. Und als ob ich es nicht schon selbst besser wüsste, war ein angehaltenes Schweigen das, was in diesem Moment am angenehmsten war. Hatte ich denn gar eine Wahl? Wie verhasst es mir ist, bei jenen Gedanken, dessen Denkinhalt voller Mutmaßungen ist, die mir kalt erschaudernd ans Herz gehen. 


© mimiroux

20110613

Türschwelle der Erinnerung.


Ich habe gesehen, wie die verschiedensten Menschen in mein Leben traten, wie durch eine Tür zu einem gemütlichen Häuschen. 

Jeder Einzelne verblieb eine Weile als Gast deines Alltags und deiner Gesellschaft, bis eines langen Tages der Moment kommt, wo sie sich wieder verabschieden werden. Manche dieser langen Tage vergehen schon nach Wochen, Monate oder vielleicht erst nach ein paar Jahren. Sehr wenige halten ein Leben lang. Eine Vielzahl dieser Menschen kommen womöglich wieder, manch andere bekommst du jedoch nie mehr zu Gesicht. Mit vielen dieser Besuche wird man unvergessliche Erinnerungen als Gastgeschenk erhalten, hingegen können die Erlebnisse mit dem einen oder anderen schnell verblassen, als wäre nichts geschehen.

Jeder Einzelne wird in diesem Häuschen ein Zimmer besetzen, das des festen oder besten Freundes bzw. Freundin, des Bekannten, des Kollegen... Es gibt unendliche
Namen für diese vielen Räume, ganz persönlich, individuell und öfter austauschbar, als man es je sofort bemerkt.

Es ist ein reges Kommen und Gehen, Bleiben und Verändern, nahezu einem natürlichen Kreislauf ähnelnd.

Was ich bisher aber nicht verstanden habe, wie ungewollt und schnell manches gehen kann. Es erscheint einem unglaublich unwirklich. Der Mensch, den du heute mehr als alles andere liebst, kann am nächsten Tag ein Fremder für dich sein. Der liebe Freund am folgenden Morgen zum verhassten Hintergeher. Die interessante Bekanntschaft zu einer vergessenen Bekanntschaft. Anders noch, kann eine Person, die du als besonders betrachtest, die Tür vor deiner erstaunten Nase zuschlagen, weil man scheinbar nicht die gleichen Empfindungen teilt.

Ich wundere mich, warum einige der vielen Abschiede oder Veränderungen (die am gefühlsbetonten sind) einem so schwer fallen können, obwohl uns doch vollsten bewusst ist, dass ein Kreislauf weder einen Anfang, noch ein Ende besitzt. Welcher Zeitpunkt in unserem Leben es auch sein mag, an neuen Bekanntschaften wird es kaum mangeln, wenn man sich dafür seinerseits auch ein wenig bemüht.

Wieso sich also wünschen müssen, Personen bei sich behalten zu wollen, die längst über eine andere Türschwelle getreten sind oder als veränderte Menschen wiederkommen?

Nichts ist ewig, und ist für die Ewigkeit geschaffen. Dinge geschehen, wie sie geschehen. Es ist nur aberwitzig zu wissen, dass wir das meiste letztendlich gar nicht beeinflussen können. Weder den größeren Teil unseres Handelns, Denkens oder gar unserer Gefühle. Noch weniger können wir andere dazu anhalten, sich nach unserem Hoffen und Wünschen gerichtet zu verhalten und zu sein. Somit können wir also auch niemals die sich schon längst verändernden Beziehungen wirklich festhalten. 

Wir sind unscheinbare Marionetten im Theaterspiel von etwas, das wir, wenn oberflächlich, aber niemals tiefgründig verstehen werden.



© mimiroux

20110612

UntitledIch denke, langsam muss etwas getan werden. Seht ruhig zu, wie weit ihr kommt! Es ist tatsächlich nahezu deprimierend, in aller feinster Weise. Am Ende werde ich hier doch nur stehen, alleine und mit vollem Herzen.


© mimiroux

20110611

Narben des Wankelmuts.



Ein großer Trubel, expandierend über unzählige Gedankenkontinente, unaufhaltsam und doch so unerwünscht. Wieso stellt sich ein innerer Monolog als nun mehr überwältigende Schwierigkeit heraus? Eine Rebellion des Herzens schreitet. Sie marschiert Tag und Nacht, wie eine feinspurige Welle, die grobe Narben des Wankelmuts in tief irritierender Farbe hinterlässt. Die kalte Fraglichkeit brennt infernalisch auf der Haut und dringt krabbelnd, stechend und wie eine langarmige Spinne kriechend hindurch, unter meine pochenden Adern. Man hört nichts, kein weiteres Wort fällt - die stummen Fragen murmeln kontinuierlich in fremder Sprache. Was wollte ich? Was sagtest du? Bewegte sich meine Stimme zu schnell oder war mein Herzschlag zu langsam? Jeder sterbende Tag versteckt neue und verweilende Rätsel, zum erneuten Nachdenken und sich Verdenkens verführend. Fragiles Herz, wo hast du deinen Verstand, deine vorgehaltene Hand? So schutzlos und verwirrt wird es ein leichtes sein, dich skrupellos zu schlachten, ohne, dass du es gar merken würdest. Der Schlächter spricht von naiven Wahnsinn, ein Spiel über die tanzenden Herzlichkeiten. Wie könntest du dir in die Augen sehen, kleines Etwas, wenn deine mühevoll erbaute Wand so derbe einreißt? Ein Weinen im stillen Nächtlichen weckt doch lediglich ein paar einsame Blüten aus ihrem Schlaf, verhallt aber ungehört in naher Distanz. Hinfort laufend, renne so schnell wie du kannst, bevor dich der ewige Unsinn unverhofft einholt und tief unter sich begräbt, in poröser und schamvoller Schwäche. Gedankenlos und leichtfertig, wie du bist... du bist mir zuwider. 


Ich hasse [d]ich.




© mimiroux


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"You should not love someone until you actually know what they are like and if you can't deal with it, [just let it go.]" - Erica.


20110609

Gespräch zwischen Herz und Verstand.

Lady in red


"Ich kann eben nicht aus meiner Haut heraus."
Ich seufzte, und warf ein erneuten Blick auf sein Buch. Obwohl er bezüglich seiner starren Miene mich wohl gekonnt zu ignorieren bedachte, las er nun schon seit 10 Minuten dieselbe aufgeschlagene Seite. Für einen kurzen Moment richtete ich meine Aufmerksamkeit auf eine junge und recht hübsche Dame, die sich gerade bei ihrem Begleiter für die eben liebevoll überreichten Rosen bedankte. Sie strahlte über ihr ganzes entzückendes Gesicht, dessen Züge eine angenehm weiche Nuance besaßen. Meine Mundwinkel bildeten ein unscheinbares Lächeln.
"Du kennst die Abmachung, nicht wahr?"
Ich sah den beiden Spazierenden - sie lachte gerade herzlich über einen Witz, den er machte - bevor ich darauf erwiderte.
"Es scheint mir, als hättest vor allem du nicht vergessen. Dir ist das immer noch sehr wichtig." Ich warf meinem Parkbanknachbarn aus dem Seitenwinkel einen direkten Blick zu. Es war keine Frage, lediglich eine kleine Nebenbemerkung meiner Feststellung. Ich wusste es jedoch schon länger... nein, eigentlich lang genug. Inzwischen hatte er sein Buch zugeschlagen und war meinem vorherigen Augenmerk gefolgt. Er hatte wohl aufgegeben.
"Eifersucht hat die Fähigkeit das Herz hässlich zu machen. Wusstest du das?" Er sprach in einem sehr ruhigen und nachdenklichen Ton.
Meine Augen ließen noch nicht von ihm ab. "Ich kenne diese Geschichten schon. Es ist nicht so, als ob ich mir das alles gewünscht hätte. Im Gegenteil.", sagte ich leicht mürrisch und wandte meinen Blick in die entgegengesetzte Richtung, doch jetzt war niemand mehr zu sehen. "Ich fühle mich richtig aufgewühlt, rebellisch wild und irritierend verwirrt zugleich, auch, wenn man es mir kaum ansehen mag." Die letzten Worte verließen meine Lippen nahezu in einem Flüstern.
"Mir ist ebenfalls nicht recht wohl bei der Sache", entgegnete er und strich sich langsam durchs Haar, als er sich zurücklehnte. "Dieses Gefühl mag heimlich dein eigen sein, und die freundliche Zuwendung dir im Moment geschenkt", er machte eine kleine Pause, "aber wer das Bleiben kennt, der sollte auch ein Bekannter des Vergänglichen sein. Was ist denn mehr ewig, als das Zeitweilige?"
Ich schloss meine Augen, während er sprach, mir wurde erst jetzt bewusst, von welcher Müdigkeit sie heimgesucht wurden. Egal, was ich im Augenblick fühlte, ich wusste, er würde darüber Bescheid wissen. Es war mehr als nur reiner Scharfsinn. Ihm war aber ebenso klar, dass ich erahnte, was er dachte. Daraufhin lachte ich leise. "Und wer der ständigen, zwanghaften Veränderung ausgesetzt ist, sollte sich selbst am meisten schätzen, ist es nicht so?"
Er verzog keine Miene auf meine Worte. "Wir brauchen alle Zeit", sagte er schließlich, "besonders du, mein Freund."
Nun lehnte ich mich gleichermaßen auf die Banklehne. "Anderes würdest du mir so oder so nicht sonderlich als Empfehlung ans Herz legen, oder?", kicherte ich, während meine Augen die vom Sonnenstrahlen durchfluteten Baumkronen betrachtete. Im stillen Nachdenken legte er seine schmalen Finger behutsam auf den Buchdeckel. Die Spitzen strichen über das gemalte Bild eines langhaarigen Mädchens, welches das Cover zierte. Es trug ein rotes, unschuldiges Kleid und ihre grauen Augen hatten etwas menschlich Warmes. Trotzdem machte sie einen tristen Eindruck.
"Ist ein sanftmütiges Schweigen nicht liebenswürdiger, als ein unvorsichtig naiv gesprochenes Wort?", fragte er mich fast schon rhetorisch. Ich erhob meine Stimme nicht, beziehungsweise, hatte ich kaum die Courage dazu. "Wenn die Nacht einmal zum Stehen kommt und die Herzlichkeit gar allmählich an besondere Worte verliert, solltest du der Erste sein, der ein Obdach findet. Selbst der kleinste Hauch von Wind würde deine Augen unwillkürlich benetzen." Er sprach sehr bestimmend, doch gleichzeitig hörte ich die sorgfältige Rücksicht heraus.
"Das wars dann also?", brach ich mein Schweigen, wobei ich selbst nicht recht wusste, wo das Ganze endete. Er verstummte für einen Augenblick, so dass es schien, als würde er seine Antwort gerade zurechtlegen.
"Solange die alten Gewohnheiten noch mit aufrichtiger Bedeutung gepflegt werden... aber dir ist sicher nicht entgangen, wie ich vehement dazu stehe."
Er brachte mich damit tatsächlich noch zum Schmunzeln. "Es ist ziemlich spät, nicht wahr? Auch, wenn du womöglich recht hast." Es klang ein wenig bittersüß. "Wie immer ein großer Denker, und ich bin hier lediglich ein Gefühlsbrocken", witzelte ich amüsiert, aber mein Blick war wundersam apathisch.
Er bemerkte es, faltete seine Hände zusammen und starrte wortlos in die Ferne. Man konnte das frühe Singen der weit entfernten Vögel belauschen. Es war wieder Morgen.
Als er sich wieder das Buch besah, weinte das Mädchen.



© mimiroux

20110606

Love never fails.

"Findest du mich auch komisch?", fragte sie mich. So wie sie es sagte, tat es mir noch mehr weh, als ich mir vorgestellt hatte. Wir waren schon fast bei ihrem Haus angekommen. als ich stehenblieb und sie an mich zog. Ich küßte sie. Als wir voneinander ließen, senkte sie den Blick. Ich legte ihr einen Finger unter das Kinn und hob ihren Kopf, so daß sie mich ansehen mußte. "Du bist ein wunderbarer Mensch, Jamie. Du bist schön, du bist freundlich, du bist zärtlich... du bist alles, was ich gern wäre. Wenn die anderen dich nicht mögen oder dich komisch finden, dann ist das ihr Problem."
In dem Dämmerlicht des kalten Wintertages konnte ich sehen, wie ihre Unterlippe zu zittern begann. Auch mir war jämmerlich zumute, und mein Herz klopfte laut. Ich sah ihr in die Augen und legte alle meine Gefühle in ein Lächeln. Ich wußte, daß die Worte ihren Weg bahnen würden.
"Ich liebe dich, Jamie", sagte ich zu ihr. "Du bist das Beste, was mir je in meinem Leben passiert ist." [...]
Sobald ich die Worte ausgesprochen hatte, ließ Jamie ihren Kopf sinken und fing an zu weinen.. Ich nahm sie in die Arme und wunderte mich, daß sie so traurig war. Sie war dünn; erst jetzt merkte ich, wie zerbrechlich sie eigentlich war. [...]
Sie weinte ziemlich lange, so schien mir, an meiner Brust. Ich wußte nicht, was ich denken sollte oder ob sie meine Gefühle teilte. Dennoch tat es mir nicht leid, die Worte ausgesprochen zu haben. Die Wahrheit bleibt die Wahrheit, und ich hatte ihr gerade versprochen, ihr immer die Wahrheit zu sagen.
"Bitte, sag so was nicht", hörte ich sie, "bitte..."
"Aber wenn es doch stimmt...", unterbrach ich sie, weil ich dachte, sie glaube mir nicht.
Sie schluchzte nur noch heftiger. "Es tut mir leid", flüsterte sie zwischen den Schluchzern. "Es tut mir so leid..."
Plötzlich war meine Kehle wie ausgetrocknet. "Was tut dir leid?", fragte ich. Ich mußte verstehen, was sie bekümmerte. "Hat es mit meinen Freunden zu tun? Was sie sagen werden? Das ist mir alles egal - wirklich." Ich versuchte, mich an irgend etwas zu klammern, ich war verwirrt und, ja - ich hatte Angst.
Es dauerte eine ganze Weile, bevor sie aufhörte zu weinen, und dann sah sie zu mir auf. Sie küßte mich zärtlich, es war fast wie der Hauch eines verbeiziehenden Atems, und fuhr mit dem Finger sanft über meine Wange.
"Du darfst nicht in mich verliebt sein, Landon", sagte sie und sah mich mit rot geschwollenen Augen an. "Wir können Freunde sein, wir können uns treffen..., aber du darfst nicht in mich verliebt sein."
"Warum denn nicht?", sagte ich heftig. Ich verstand gar nichts mehr. [...]
Ein trauriges Lächeln zog über ihr Gesicht, da verstand ich, was sie mir sagen wollte. Sie sah mir fest in die Augen, als sie die Worte sprach, die meine Seele betäubten.
"Ich muß sterben, Landon."


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"Love is always patient and kind
it is never jealous

Love is never boastful nor conceded
it is never rude or selfish

It does not take offense
it is not resentful

Love takes no pleasure in other people's sins
but delights in the truth

It is always ready to excuse
to trust to hold
and to endure whatever comes "








(from 'A Walk to Remember' by Nicholas Sparks.)


20110529

Ein Korb voller Gedanken.



Wer will schon verrückter sein, als man es nicht sonst längst ist? Ich brauche nichts, was ein Herz nicht versprechen kann, keine Worte die mich bindet an ein schweres Gerüst vermeintlicher Hoffnung. Die Tage umrunden mich, des Zirkels Kreise belassen mich kaum der Möglichkeit zu entfliehen, so hoch eine hohe Wand auch sein mag. Es verflüchtigt sich der Gedanke, es gäbe jemals etwas anderes als nur mich, sitzend in einem Korb voller Gedanken, locker geflochten mit dem fein illusorischen Gesagten. Das Schmunzeln verrät mich, die alte Einsamkeit ist ein geschickter Geiger, dessen klangvolle Melodie mich oftmals in wahrhafter Trübseligkeit einfängt. Aber nicht wirklich, denn es ist ein betagtes Stück, das sterbliche Erinnerungen als federleichtes Gewand zu nächtlichen Gedanken-Festen trägt. Im meisterhaften Theater ist die Rolle der Deutagonistin mir oft gewiss, eine tragödische Figur allzu bekannt und das charakterhafte Beispiel für Austen's Emma - dazu fehlt es mir kaum an jegliche Courage. Derweilen, wenn ich hier sitze und mich im anfänglichen Gitarrenspielen zu behaupten versuche, sagt mir die späte Stunde mehr, als meine Ohren wesentlich belauschen möchten. Vielmehr wird mein Bewusstsein zum scheinbar großen Denker, denn Welten sind zueinander keine komplementären Farben, sie verlaufen in differierenden Richtungen - eine durchaus zu bemitleidende und bekannte Sache. Wer aufhorcht, kann vielleicht noch die ergraute Eule in der späten Nacht eine kleine Gute-Nacht-Geschichte erzählen hören.




© mimiroux

20110525

Schlaffressende Nacht.



hipster | via Tumblr
Es gibt zweierlei Dinge, die einen schlafraubend den Abend bitter versüßen können: Zum Einen ist es die Tatsache, dass man etwas verloren hat, dass man zuvor noch besaß, allzu schnell, aber in einer gewissen Weise noch berechenbar. Zum Anderen sind es die launenhaften Dinge, die sich plötzlich verflüchtigen oder gar verselbstständigen, aber nie hatte man sie wirklich im handfesten Besitz.

Anschließend hantieren wir mit gedanklichen Verwirrungen, schuldlastigen Gefühlen - alles in allem ein Haufen von nicht erklärbaren Unbegreiflichkeiten. Des Herzens Augenpaar erkennt mit einem Mal Welten, monumental in ihren Erscheinungen, und Distanzen, die kein mathematischer Kopf je zu begreifen versteht.

Während die schlaffressende Leere sich ihren Weg durch die Synapsen bahnt, wächst jede noch so sinnlose Anti-Thesis zum großen Elefanten, stampfend läuft er seinen Weg im Dreieck. Wer kennt das nicht? Wenn die ruhige Nacht sich wie eine pubertierend 16-jährige drunkene Fiesta benimmt und das rebellisch aufgewühlte Herz einen ungewöhnlich reservierten Stillstand erleidet. 
Die Erinnerung duftet plötzlich ungewohnt nach holzener Rinde, irgendwie süß und verwegen, und spricht man meist schon im vergangenen Tempus, kann es hoffnungsloser gar nicht mehr sein. Er wirkt manchmal wie ein Fremder, und ich heiße 'Gestrandeter' auf einer australischen Insel im Salzmeer.

Man erkennt das Lächeln auf den Lippen, ertappt sich mit einem Eigenen, dass tausende Gedichte über die Ungewissheit sowie kleine Verlegenheiten spricht. Kein neigender Kopf kann erhofften Trost zusprechen, der Blick in des anderen Augen ist das, was wohl am Ende eines Filmes übrig bleibt. Es sind verschüttete Worte, ausgelöscht wie Teelichter durch eine zarte Brise Wind, die einen merken lässt, dass man inmitten einer trockenen Lache steckt. Zu manchen frühen Zeitpunkten, erwächst sich daraus eine charmante Brücke, in späteren Momenten wird sie von nüchternen Rissen verschluckt. 

Lieblich vernehme ich des Regens trommelnde Stimme, mich fragend, ob er nie verstummen würde, wenn ich versuchte zu weinen. Gefühlstöricht, wie ich bin, bleiben Gedanken eben nur Gedanken. Bevor mein Bett mich noch allzu sehr vermisst, sage ich im Stillen 'Gute Nacht', denn der Morgen spricht auch eine andere Sprache.



© mimiroux

Die Geschichte einer liebreizende Lady, die von einem chaotischen Rebell verzaubert wurde (ohne Vorwarnung).



"Sieh mich an!"

Ich stehe dort! Dort, auf der anderen Seite der verlorenen Straße. Ein charmantes Lächeln geht über deine Lippen, doch ich blicke selbstvergessend zur Seite, täusche vor, dich nicht gesehen zu haben. Ein spielerisch intensiver Blick, sie wollen meine huschenden Augen nicht loslassen. Was willst du von mir, du fremder Mensch?

"Komm, ich werde dich jetzt entführen!"

Es sind Worte, die so leicht über deine Zunge gehen, elektrisierend und liebreizend zugleich. Du bist wild, verrückt und unglaublich chaotisch! Ein Rebell, das ist es, was ich gleich intuitiv an dir wahrnahm. Doch leicht widerstrebend streife ich an dir vorbei, drehe mich tänzelnd herum und irgendwie muss ich verschmitzt grinsen, während wir uns unverwandt anschauen.

"Ich folge dir, bis ans Ende der anderen Welt!"

Ich drehe mich nochmal um, lachend, ich verstehe die Welt nicht mehr! Du holst mich ein, ganz souverän natürlich, erzählst mir von den aufregendsten Dingen, beschenkst mich mit allerlei umschmeichelnden Blicken und wagst es sogar, mich ganz und gar aus der Fassung zu bringen! Du möchtest gegen den Storm treiben, gegen all die Konventionen, und mich wie in einen Bann ziehend, mitreißen.

"Sag, dass du es nicht willst!"

Du machst dir nichts aus dumpfes Gerede und die gekünselte Maske der Gesellschaft, der materielle Traum einer plastischen Unwirklichkeit riecht dir nicht. Wie schaffst du das nur, du, mit deinem verlockenden Lächeln, poetisch geprägten Worten, legst deinen Kopf einfach leicht schief, dieses wilde Funkeln in deinen Augen, und schon sind meine entzückenden Schuhe wie verzaubert. Ziellos ist unser Weg.

"Lass uns tanzen.. auf der nächtlichen Straße, einsam in Zweisamkeit."

Ich werde von dir an der Hand genommen, ich drehe mich herum, elegant mit ausgelassener Art. Fang mich! Und ohne, dass du zögerst, werden wir beide von einer kindlichen Heiterkeit begleitet. Du neckst mich, das liebenswürdige Lächeln nicht vergessend, sodass ich wohl kaum recht weiß, was mit mir geschieht! Ein endloser Spaziergang mit dir, herumirrend in der großen leuchtend bunten Welt der Nacht.

"Darf ich dich küssen...?"

Ein letzter Augenblick. Der klare Nachthimmel über uns lässt die Sterne funkeln, blinkend wie einzelne Reklameleuchten. Ich wage es nicht zu blinzeln, aus Furcht einen unvergesslichen Moment aus meinem Blick gleiten zu lassen. Du näherst dich, ganz langsam ohne eine Spur von Hast, und plötzlich trat ein Spiegel vor unseren Augen. Wir leben in verschiedenen Welten, das wusstest du von Anfang an, genauso wie ich.
Unsere Wege trennen sich, ich muss fort! Alleine lasse ich dich stehend zurück.

"Ich hoffe, wir sehen uns eines Tages wieder! Denn du hast mich an diesem einen Tag ganz und gar verzaubert."



© mimiroux


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M y . I n s p i r a t i o n : http://www.youtube.com/watch?v=AZa1ViT4Ihc 


20110524

Der Pavian aus der Mean Street.



Jedesmal ist es ein unbegreifliches Begehen, Geschehen, und ich kann nur darum flehen, dass es mich nicht am Rande des völligen Verstandsverlusts treibt. Kleine Aberwitze, großer Aberwitz, doch der echte Witz ist von jetzt an ein waschechter Clown in erstaunlicher Lebensgröße. Auf Schritt und Tritt verfolgt er mich, mal kopfschüttelnd, mal hämisch lachend - es lässt mich ganz und ziellos in den Wahnsinn hineinlaufen. Ich habe es immer und immerzu gesagt, mir selbst und der Rest der Mannschaft auch: Die Welt ist verrückt, ein neckischer Haufen lilablassblau-bunter Schuhe. Man geht auf und ab, auf und ab, drehet sich galant im Kreise und ladet doch lediglich dort, wo man schon einmal, gleich abermals, gewesen war. Was für eine Leidenschaft die Appetitlosigkeit im Magen züngelt, vergleichbar mit einem feuchtfröhlichen Lagerfeuer, wo die wilden Affen, einen quatratischen Kreis bildend, tanzen. Zwei Mal in die Hände klatschen, nicht vergessen! Der nächste Takt ist dem Ohr weit voraus, eine gemeine Masche in der musikalischen Tasche. Ich solle mich verziehen, sagtest du - natürlich ungeniert charmant, ich solle hinfort, den Sack voll Bananen aber bitte hier lassen. Es stinkt nach französischem Délice de Bourgogne, verdorbenen Gitarren-Akkorden, umhüllt mit feinsten Edelschimmel á la Brillat-Savarin. Für eine bessere Vorstellung mit imaginärer Visualisierung, und rauschender Akustik: Die Mean Street entlang, 2.Stockwerk, 20 Meter west-östlich, 5 mal im Kreis drehen, die 3. Katzenklappe links. Ich glaube, langsam habe ich hier nichts mehr zu suchen. Das entzückende Frühstück am guten Morgen wartet singend auf mich: Zerknüllte Notizen mit blamablen Inhalt, und vielleicht noch eine Tasse Chai Tea als dezenter Geschmacksanpasser. 

Und wie ein weiser, alter Pavian zu sagen pflegte: "Mache Aussagen, die keine Aussagen sind! Verwirre dich selbst, so verwirrst du deinen Feind!" Dann streckte er mir den roten Arsch entgegen, stolzierte mit gehobener Nase hinfort, und auf einmal wusste ich, es war alles gut.



© mimiroux

20110523

Staub und Sandspur.


Wo kann ich hingehen, um zu bleiben? 
Meine Füße wandern auf und ab, unter mir ersteckt sich leise das feinste Sedimentgestein, der schlummernde Sand in der Nacht. 
Die Kälte schlägt mir umhüllend ins Gesicht, erbarmungslos. Doch nun liege ich hier, auf sanften Schlangenlinien, die sich von Hügel zu Hügel über die Wüste ziehen. 
Ein verlorener Gedanke spaziert die linke Wange entlang, wo er sich an der Kinnspitze schmerzlos verabschiedet. Mir fehlen unzählige Worte, jegliche gedanklichen Ansätze und mehr noch: Eine gewisse Feinfühligkeit. Ich selbst habe nie das Buch gefunden, der unausgesprochene Gedanken in dichterischen Zügen niederschreibt. So irrte und verwirre ich, mich und die anderen Stimmen. Meine Eigene habe ich vergraben, ob es ein Versuch bleibt, sei ohne Antwort in ungewisser Aussicht gestellt. Die Sandkörner brennen in meinen Augen. Der Wirbel reißt mich mit, und ich frage mich, woraus diese Kraft entspringt. Wenn der verzweifelte Durst mit dir spricht, kann ein Anfänger nur erschwert eine Antwort formulieren. Das Herz pocht, unruhig und orientierungslos, im gleichbleibenden Takt. Eine Löwentatze wollte ich sein, stark und farbkräftig, ohne gewillt sein zu müssen, fremde Wurzeln zu schlagen. Eine märchengleiche Wüstenblume ist das Einzige, was meine Augen entdecken, der wallenden Hitze trotzend, bis die allzu kurze Lebenszeit ihr ganz und immer entläuft. Was bleibt sind die dornigen Überbleibsel von scheinbar stummer Abweisung. Keine einsame Berührung schenkte ich ihr, aber weshalb flüstert mir eine innere Achtsamkeit über ein ratloses Begehen? Das Wahre ist womöglich eine kleine Fiktion, das lügnerische Spiel sollte kein Fakt sein, in keiner lieblosen Intention. Die Stimme, die versagt, in jenem stürmischen Moment; wortlos wandert die schwarze Tinte über atemlose Zeilen. Gar vielleicht vermag ich zum verschlafenen Lied singen können, jedoch hält mich die Zeit wie in einer Uhr voll schwerem Sand zurück. Was kann ich sagen, um zu sprechen?


Am Ende zerfalle ich doch nur zu Staub, während die letzte Klaviernote im Dunst langsam zum Schweigen kommt. Vielleicht ist das auch besser so.



© mimiroux

20110427

Letters to Juliet.

 
"Liebe Claire,

'Was' und 'Wenn' sind zwei völlig harmlose Wörter. Aber, setzt man sie nebeneinander, haben sie plötzlich die Macht einen für den Rest des Lebens zu verfolgen. 'Was, wenn...?', 'Was, wenn...?', 'Was, wenn...?'

Ich weiß nicht, wie Ihre Geschichte ausgegangen ist, aber wenn das, was Sie damals empfunden haben wahre Liebe war, dann ist es nie zu spät. Wenn es damals wahr war, warum sollte es nicht auch heute wahr sein? Sie müssen nur den Mut aufbringen, Ihrem Herzen zu folgen. Ich weiß nicht, wie sich Julias Liebe angefühlt hat. Eine Liebe, die einen dazu veranlasst, seine Liebsten zu verlassen, Meere zu überqueren. Aber ich will daran glauben, dass ich, wenn ich sie je eines Tages erlebe, ich den Mut aufbringe sie zu ergreifen. 

Und Claire, wenn Sie das nicht getan haben, dann hoffe ich, dass Sie es noch eines Tages tun. 


In aller Liebe, Julia."



- Sofie. (from 'letters to juliet')

20110426

Kalte Herzen im Regen.



Ich bleibe stehen. Der Regen hatte nicht aufgehört herabzufallen, meine ausgestreckte Hand mit unzähligen kleinen Perlen zu beschmücken, mein ganzes Haar war völlig wirr und durchnässt. Dabei gab es gar keine gebrochenen Wolken, keine Leute um mich herum, die routiniert ihre bunten Schirme aufspannten, als ich mich wohl gar erstaunt umsah. Komisch. Ganz vom Regen unberührt, gehe ich einen Schritt weiter, nur um daraufhin wieder zum Stehen zu kommen. Rief nicht jemand nach mir, eine vertraute Stimme mit herzlichen Worten von ganz fern? Oder irrten meine Sinne im Nichts? Doch niemand konnte ich mit meinem Blick erhaschen, war ich schon die lange Zeit allein? Stieg doch dieser bekannte Geruch in meine Nase, das ganz flüchtig dann entflohen. War es eigentlich nur ein kleiner Schritt gewesen, so konnte nicht alles um mich herum verwischt worden sein? Spürte ich eben noch einen ganz festen und warmen Händedruck, schnell verschwunden, als ich kurz blinzelte. Seltsam. Nun beginne ich zu laufen, so wie jemand, der aus ungewisser Angst flüchtete, sich erhofft einen versteckten Ort zu finden, irgendwo fort aus dieser konfusen Welt. Stunden vergingen wie Minuten, die sich heimlich wie Sekunden verkleideten. Als würde ich in etwas rein gelaufen sein, stieß ich auf eine harte, mir nicht sichtbaren Wand. Ganz irritiert, die Hände auf diese Barriere ruhend, drehte ich mich herum, wo eine weitere Wand meine Absichten nichtig machte. War ich endgültig die Witzfigur einer aberwitzigen, tragödischen Komödie der annähernden Genre "Verwirrungen und Kafkaesk" geworden? Möge man mir das nicht antun, sah es aber nur schlecht aus für meine hoffnungslosen Zweifel. Dann, mit einem Male, wurde mir eine erschreckende Tatsache klar, mein Gedankengang sich schleichend davonbewegend, in diesem stummen Moment: Mein Herz war stehen geblieben. Kein Schlagen, kein Pochen, kein Klopfen, nicht mal ein noch so kleiner Schritt. Mein Atem ging ruhig und sanft, es stand mir die schreckhafte Verwunderung in den aufblitzenden Augen. Ich war tot, gestorben in einer tief verkehrten Welt. Lächerlich. Ich war ertrunken in den alten, verhedderten Erinnerungen, willkürlichen Wahrnehmungen und der zerschmetterten Hingezogenheit, sodass ich kaum zu wissen vermag, was dies bedeutete, denn alles lief allzu hastig an mir vorbei. Dabei möchte ich doch nur aufrichtig sein.




© mimiroux

20110423

Alles in der Welt und Nichts.

Untitled
Es ist eine unausgesprochene Gegebenheit nach Wolken nicht greifen zu können. Was änderte sich nach all der entlaufenen Zeit? Sie läuft immer weiter; Erinnerungen hinterlassen Sandspuren, die vergraben werden, unter Wellenrauschen der Pazifik. Aber ich bin nicht traurig darüber.


Das Haar ist so leicht über die Schulter gelegt, ein Atemhauch, das leise das Fenster beschlägt, während Fingerspitzen einsame Regentropfen antippen. Sie haften lieblich auf der anderen Seite, unerreichbar für den Tastsinn. Um kleine Gefallen bitte ich nicht. Ich singe und spiele das Stück, das keinen Kenner gönnt. Im Alleingang sitzt mir das Kleid besser, als wenn eine zweite Seele daran nagt. Löcher wie vom Mäuseschmaus, eine unschöne Sache.

Kleine Hingebungen verfangen sich in Worte, von der Stimme leise geküsst. Hast du jemals spazierende Schmetterlinge gesehen? Lass meine Hand los, solltest du sie jemals ergriffen haben. Ein kleines Wort, ganz übersehbar, bedingt entbehrlich, irgendwo sitzend zwischen tausenden von Seitenzahlen von Notizen und Unwichtigkeiten. Nichts kam mir fremder und vertrauter vor, diese komisch herzliche Anhänglichkeit.

Spüren wirst du den schleichenden Wind. Es ist der schöpfende Atem meiner Gedanken, kreiselnd an dir vorbei. Während kleine Schmeicheleien sich in Sätze verlaufen, allzu einfach ohne vielmehr Belang, ist die Stimme ein schweigendes Buch. Wohin gehen Schritte, wenn sie einsam sind?

Wie lethargisch ich darüber denke, und es eben vielleicht gar nicht artikuliere. Es sollte bei einem Versuch bleiben, mir etwas erzählen zu wollen, über jene Abenteuerlichkeiten, die für mich in unverständlichen Augenblinzeln untergehen. Illustrierte Gedankengänge verziert mit feiner Eloquenz, erstrecken sich heimlich zum verbleibenen Rätsel.

Hier stehe ich. Dort stehst du. Mehr vermag selbst das Herz nicht zu lüften. Denn niemand von uns muss sich dieses wortlose Spiel antun. Mit leichter Stimme singt jemand soloistisch ein Lied über Alles in der Welt und Nichts.



© mimiroux

20110420

Das Liebeskummer des Augusteum.

"Lieber David, wir haben lange nichts voneinander gehört, und ich hatte Zeit zum Nachdenken. Weißt du noch, wie du gesagt hast, wir sollten unglücklich zusammen sein, um glücklich zu sein? Betrachte es als Beweis meiner Liebe, dass ich so lange und mit aller Kraft der Hoffnung nachhing, dieser Vorschlag könnte funktionieren.




Aber... Ein Freund zeigte mir neulich ein ganz wunderbaren Ort, das Augusteum. Kaiser August ließ es für seine sterblichen Überreste erbauen. Die Barbaren haben es zerstört, mitsamt mit allen anderem. Augustus, der erste große römische Kaiser. Wie hätte er sich vorstellen können, dass Rom, für ihn die ganze Welt, eines Tages in Trümmern liegen würde?
Es ist einer der stillsten und einsamsten Orte Roms. Die Stadt wuchs durch die Jahrhunderte um das Augusteum herum. Es erscheint einem wie eine kostbare Wunde, wie Liebeskummer, an dem man festhalten will, weil es so angenehm schmerzt. Wir alle wollen, dass immer alles so bleibt, wie es ist, David. Wir nehmen es hin, unglücklich zu sein, aus Angst vor Veränderungen. Aus Angst, alles könnte einstürzen. Und dann sah ich mich dort um. Sah die Spuren des Chaos, die es erlitten hat. Wie es umfunktioniert wurde, verbrannt und geplündert, und danach einen Weg fand wieder neu zu entstehen. Und da war ich beruhigt. 


Vielleicht war mein Leben gar nicht so chaotisch, vielleicht ist es nur die Welt und die einzig wahre Falle ist, sich an irgendwas zu klammern. Zerstörung ist ein Geschenk. Zerstörung ist der Weg zum Wandel. Selbst in der ewigen Stadt hat das Augusteum mir gezeigt, dass wir stets auf die endlosen Wellen des Wandels gefasst sein müssen. Wir verdienen beide etwas besseres, als ein gemeinsames Leben, an dem wir nur aus Angst vor Zerstörung festhalten."



- Elizabeth Gilbert (from Eat, Pray, Love)



Noch ein Glas Lethargie, bitte!

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Ich wusste, ich würde dagegen verlieren. Doch es war nicht einmal ein Kampf, das dort unten stattfand. Es war das Herz, das rebellierte. Ein genügsamer Blick, der mir Worte zuflüsterte, über Verlangen und Träume, von denen ich wusste, dass sie schon immerzu der kleinen Wahrhaftigkeit entsprachen. Ich denke mir, wie entzückend all das sein mag. Noch ein Glas Lethargie, bitte!


© mimiroux

20110417

Et Aprés.


"Jemand hat mir mal gesagt, das Wunder des Lebens liegt im Hier und Jetzt. Ich werde bald sterben, und doch... beherrscht mich die Angst nicht mehr. Das Leben ist voller Reichtümer. Die Gesten. Das Lachen. Die Freude, die wir geteilt haben. Ich erinnere mich an alles. Ich erinnere mich an dein Atmen, wenn du im Auto geschlafen hast. Mamas Gesicht, wenn sie uns gesehen hat. Wir haben viele Dinge zusammen gemacht, sehr sehr viele Dinge. Ich habe viel gelernt. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt. Gib dich deinem Glück hin. Genieße jeden Augenblick. Und vorallem, sei nicht unglücklich, wenn du an mich denkst. Sei nicht traurig. Und eines Tages, wenn du mit mir reden möchtest, wenn du es wirklich willst, such dir einen Ort aus, den du magst. Ein Ort, an dem wir früher zusammen waren. Du wirst mit mir reden können, das wirst du sehen, denn ich werde da sein. Und merk dir, schäm dich nicht den Menschen, die dir etwas bedeuten zu sagen, dass du sie liebst. Ich liebe euch sehr, euch beide." 


- Nathan (from Afterwards / Et Après)

20110330

Zweisamkeit.





Ein ruhiger Atem liegt auf der wiegenden Brust. 

Mit geschlossenen Augen vernahm man die kleinen, aufrichtigen Geständnisse über eine unausgesprochene Zweisamkeit.

Das Streifen deiner und meiner Hände, als flüsterte man einander heimlich vertraute Worte zu.

Duftende Aprikose streichelt das Haar und lässt schmunzelnd an die alten Tage der Gemeinsamkeit erinnern.

Dein Blick spaziert über meine Haarspitzen entlang, mein Finger mit Behutsamkeit auf deiner Haut. 

Meine Hände seien kalt, sagtest du einmal zu mir, neckisch. 

Der Kopf ist leicht geneigt, als ich dich ansehe, jede winzige Einzelheit wurde in verstohlenen Blicken aufgefangen. 

Deine Antwort, ein schweigendes Lächeln, mich abermals um Worte beraubend.

Sanfte Sonnenlichter der Dämmerung umschmeicheln dein Gesicht, während du der kalten Hand einen warmen Kuss zuhauchst.

Nur du und ich, wir Zwei, als wäre die restliche Welt unglaublich fern, doch die an uns vorbei spazierenden Wolken waren zum Greifen nah.

Lauschend der geliebten Stimme, folgen die stillen Gedanken im tänzerischen Schritt.

Wir hielten den Moment in unseren Händen, fast schon wie verzaubert wurde es von einer augenblicklichen Ewigkeit geprägt, doch zugleich endete jede Minute, jede Sekunde mit einem Atemzug in einer vergänglichen Erinnerung.

Und ohne es zu bemerken, höre ich jenes stumme Lied, das uns in späten Gedanken umspielen wird, eine sanfte Unvergesslichkeit.

Das zärtlich pianistische Lied über die Zweisamkeit.



© mimiroux


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"We sit silently and watch the world around us. This has taken a lifetime to learn. It seems only the old are able to sit next to one another and not say anything and still feel content. The young, brash and impatient, must always break the silence. It is a waste, for silence is pure. Silence is holy. It draws people together because only those who are comfortable with each other can sit without speaking. This is the great paradox."

— Nicholas Sparks (The Notebook)