20130727

Entrücktes Herz.


An manch reizenden Tagen drängt sich mir der innerliche Wunsch auf, die Welt mit Fingerspitzen zu halten, damit sie kurz zum Stehen kommt. Dann könnte ich beherzt um mich blicken und die kleinen kurzatmigen Momente etwas mehr bewundern. Es beschleicht mich ein leichtherziges Lächeln gefolgt von Augen, die sich nach der Ferne sehnen. Ganz verspielt waten die Gedanken durchs kalte Nass, sich weder fangen lassend noch zahm verweilend, wie Meereswellen, wenn sie mich begrüßen. Während meine Lungen die salzige Luft schmecken, frage ich mich abermals, an was mein entrücktes Herz manchmal denkt.




© mimiroux

20130712

The world ain't no sunshine and rainbows.

Rocky forever



Irgendwann hört man einfach auf zu rennen, vor etwas zu flüchten, das ohnehin den Verstand widerspruchslos bezwingt und ein Herz völlig ungefragt ergreift. Wenn ich mich also nun entscheiden müsste, zwischen den halbherzigen Momenten und einem ehrlichen Augenblick, würde ich nicht mehr länger zögern, Courage zu zeigen und wahren Gefühlen zu folgen. 

Thanks, Rocky.


© mimiroux

20130708

Freundschaft.

Ein Freund sagte einmal spätabends zu mir: "Schön, dass es dich gibt " Er lächelte, und fügte noch hinzu: "Ich finde Menschen sagen des viel zu selten... bzw. nie zu Menschen die sie schätzen. Aber du sollst es wissen."


Zwei Jahre später, sagte dieser Freund zu mir: "Danke, dass du immer noch mit mir befreundet bist, obwohl ich eigentlich schon echt verrückt bin und bei dir so sein kann wie ich bin. Danke."

Inzwischen kennen wir uns mehr als 8 Jahre. Ich war verwundert, als er mir das plötzlich am Telefon sagte. Nicht aus dem Grund, weil es nicht der Wahrheit entsprach, sondern vielmehr, weil mir mit einem Augenblick klar wurde, wie dankbar ich ihm eigentlich bin. Nicht nur ihm, sondern auch diejenigen, die vor einigen Jahren in mein Leben getreten sind und an meiner Seite blieben, bis zum heutigen Tag.


Wenn man an all die vielen Freundschaften und fragilen Beziehungen denkt, kann man sich aufrichtig mehr als glücklich schätzen, wenn es wenige Menschen gibt, die dich tatsächlich so nehmen, wie du bist. Nach all den Jahren, die vergangen sind. Mit allen deinen guten wie auch unschönen Seiten, in jeglichen Situationen, besonders in schlechten und schwierigen Zeiten des Lebens und Phasen deiner Persönlichkeit. Und trotz der kleinen und vielleicht auch großen Veränderungen, die du in deinem Leben schrittweise machst, deine echte Person immer noch erkennen und wertschätzen.

Ich gebe ehrlich und offen zu: Ich bin eine Person, die Umstände und Seiten meiner Persönlichkeit besitze, die aus Erfahrung wohl nicht alle herzlich nehmen. Als mir das aber am meisten bewusst wurde, als mir ein paar Menschen den Rücken zukehrten, waren es genau diese Freunde, die mir die Zuversicht gaben, mich nicht zu fragen, ob ich nicht doch vielleicht zu verkehrt bin.

Danke euch.

Danke, Sebastian (Hör auf immer solche simplen und tollen Sachen zu sagen!)


"Wenn ich dir etwas geben könnte, dann würde ich dir die Fähigkeit geben, dich selber so zu sehen, wie andere dich sehen - damit du erkennen kannst, was für ein besonderer Mensch du bist." 

(Danke dir, Elli !)



© mimiroux


20130610

Stärker zu sein, als alles andere.



Die Wolkendecke scheint diesmal undurchdringbar zu sein, der nächste Regen gefühlte Stunden entfernt vom Jetzt. Die Stumpfheit und der frische Schwermut sympathisiert nur zu gut mit dem Gemüt, das sich innerlich in mir marternd kumuliert. Neben mir sitzt das nostalgische Gefühl, das sich mir als Moment eines entfernten Gesterns vorstellt und kaum fremder wirkt, als alle anderen Momente, die ich bisher kennen lernte. Ich frage mich nur: Wie? Während das Warum schonungslos in einer Ecke gekehrt wird, ganz wundersam ohne belangvolle Aufforderung. Es kommt einem ironisch vor, paradox wie der anomale Sturm vor der Ruhe, mich mehr liebevoll unsanft als lieblos sanft von törichter Nestwärme wegriss. Die Sehnsucht nach einer bekannten Herzensleichtigkeit wurde größer, der emotionale Leichtgang fast schon erschreckend. Vieles fühlt sich mehr gefangen an, Gedanken freier mit jedem Atemzug, wissend das sie sich wieder unbefangen verfangen könnten. Es fasziniert mich in jeder Weise, wie wenig man über Dinge weiß, während man sich im Glauben wiegte, sie mehr selbstverständlich als verständlich begriffen zu haben. Wie viel wenig uns noch an gewisser Berechenbarkeit bleibt, wenngleich oft versucht wird, es mit bloßen Händen als Gewissheit festzuhalten. 


Somit bleiben Veränderungen wie ein tobender Sturm, der sich merklich gegen uns strebend seinen Weg bahnt. Und wir können nichts anderes als ihm trotzen. 
Indem wir unabhängig weitergehen und dann lernen im noch so trübseligen Regen mit leichten Füßen zu tanzen. 

Um noch stärker zu sein als alles andere.



© mimiroux

20130321

Schlaflose Leichtfüßigkeit.

Schlaflos vom ganzen Vermissen, das Herz voll von Durst nach so viel mehr. Ich lasse mich ab nun schlichtweg einfach wieder entführen, bevor ich mich selbst nicht mehr kenne. Der liebe Irrsinn der Welt ist nach wie vor grenzenlos und die leichtfüßige Lebendigkeit wartet an jeder Ecke!


© mimiroux

20130124

Runaway.


Fremde Gedanken pochen, kalt pulsierend, aber es fühlt sich so wunderbar schmerzlos an, neben meiner Ungeselligkeit. Das unsagbare Gefühl jeder Leichtigkeit haftet wie ein Hauch an mir, aber diesmal so, als würde mich nichts Liebsames in meiner Welt halten wollen. Das Fräulein ist wieder hübsch, und rücksichtslos empört. In welchen Augen würde die unnötige Ernsthaftigkeit nicht belächelnd vergehen? Die Zeilen fließen wie trockene Tränen, die niemals dazu gedacht wurden, vergossen zu werden. Es wäre allzu lächerlich verschwenderisch, bei all der einseitigen Liebenswürdigkeit, die mich in jenen leichten Augenblicken egoistisch verwöhnt. Ein leerer Magen, der schon anfängt an dem Herzen zu nagen, mit einem Hunger, der sich abermals so schwer, leidenschaftlich und charmant gibt, dass es mich nur noch amüsiert. Wie so oft könnte ich der Nacht gehören, mich von ihr extensiv liebkosen lassen, bis sie meine Seele leer trinkt. Ein letztes Mal werde ich atmen, bevor mich der aufbrechende Morgen wieder fängt und mich unter die Sonne treibt. Bevor ich ein letztes Mal in dieser Nacht in Flammen aufgehe, mit der einzig wahrhaftigen Lebendigkeit. In mir.


"Don't you run away, run away from me? I will run away from you"


© mimiroux

20121109

Flüchtige Gefühle.

Ich habs einmal gesehen, mehrmals gespürt, als wäre es das große Verliebtsein - immer, abermals und immer wieder. So beginnt nun mal eine Geschichte. Ein befremdliches aufwärts und abwärts, das mich mehr Nerven kostet, als vorhanden sein sollte, um jegliche Sehnsüchtigkeit zu verstehen. Vielleicht sind meine Gedanken auch viel zu verspielt, bei jedem Lächeln erpicht darauf, deine Reaktion zu sehen. All das Gewinnen, würd' ich fürs Verlieren setzen! Und doch bin ich zu sehr ins mutlose geraten, um das ehrliche Spiel zu wagen, das zu heiß, zu behaftet an sentimentale Touren ist, und einer feinen Maniküre nur klagend schadet. An falschem Glück mangelt es mir nicht, mein Blick an deinem hängend, ohne falsche Hoffnung auf die falsche Miene zu setzen. Ich finde es immerhin witzig, so tüchtig süchtig es einen auch macht. Galant lässt man sich deliziös andere Worte auf der Lippe zergehen mit fehlendem Gewissen fürs Ungewisse. Niemand möchte wohl gekränkt sein, aber mein Herz verließ mich, ganz hochnäsig und ohne viel Empathie für mein armes Leib, noch weniger für jener fremden Hoffnung, die warme Bekanntschaft zu machen. Man hat es sich verwettet, und ohne zu merken, mache auch ich mich innerlich davon.


© mimiroux

20121019

Funken wie zersprengte Diamanten.

Die Distanziertheit schlägt ihr wie ein erbarmungslos kalter Wind ins Gesicht. Dabei wurde ihr nicht einmal wirklich kalt. Das weiße Kleid rutscht, so wie etwas Warmes in ihr drin, wohl schon in der Magenhöhle umher baumelnd. Es pocht hart, wie ihr Kopf, gefüllt mit unzählbar unbändigen Worten. Sie seufzt, und erhofft sich still in dezenter Heimlichkeit, doch etwas zu erkalten, zumindest äußerlich. Am liebsten hätte sie ihre Jacke ganz ausgezogen, gegen den harten Boden geschmissen, und wäre nur sehr gern der anbrechenden Nacht gefolgt. Die Haare zerwühlend, den Blick zur Seite geneigt, fühlt sie, wie ihre Schuhe zur Seite knicken. Eine ablehnende Antwort auf diese Idee, ersichtlich. Indessen wünschen sich die Haarspitzen etwas heller zu sein, und sie schüttelt mit einem scheinbaren Schmunzeln, der keiner sein könnte, den Kopf. Abschied liegt in der Luft, und sie fragt sich, wie viel Courage sie schon verlassen hat. Mit der Tür, der vor ihrer Nase zuschlug. Neben ihr die halb vergessenen Momente, als die Torheit noch größer zu sein schien, während jede Verbundenheit mit nassem Trotz vergraben wurde und jene Leere den Hals hinabwanderten. Den halbherzigen Fragen dann zu entgehen, das Lächeln ins Gesicht klebend. Die Nacht sitzt ihr aber noch auf den Schultern, während der Schatten pfeifend auf ihrem Nacken hockt. Sie, wartend auf die ersten frühen Funken, die ihr etwas Erleichterung bringen würden. Funken, wie zersprengte Diamanten.


© mimiroux

20121014

Rosenhaar.

Photography


Meine Gedanken sind voll mit Rosen gefüllt, mein Haar verwirrt von der ganzen Helligkeit, und mein Herz hängt mit zappelnden Füßen an der Wand. Ich könnte mich irren, aber diese leichtfüßige Situation kommt mir dann doch herzlich bekannt vor.

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20120927

Fountain de Trevi.

Bring home to italySetzen wir uns hier zu Poseidon, reden wir über das Leben, Gott und die Welt. Das typische philosophische eben. Die Zeit vergeht ohnehin schneller als man denkt. Oder wir schweigen und beobachten gemeinsam die Temperamente des Wassers. Vielleicht werfen wir später eine Münze in den Brunnen, und kehren eines Tages an diesen Ort zurück. Ich bin ein spontaner Mensch. 


© mimiroux

20120726

Mit Budapester und Bass, über den Dächern der Stadt.


Der kühle Luftzug weckt; er strampelt mit kalten Füßen gegen den Rücken, der sein abwesendes Gesicht nur sehr widerwillig gegen die Matratze drückt. Ein müder Nacken umarmt von weichen Federn, die sich in Kissenbezügen verstecken; mein Herz noch tief in weiße Bettlacken getaucht. Die Augen blinzeln. Es fühlt sich auf einmal ganz sandig an, unter den Zehen. Entdeckt werden die vertrockneten Tränen vom Vorabend, die während der Nacht liegen gelassen wurden. Noch verweilend zwischen den Armen eines neuen Tages und einer alten Nacht, spazieren indessen meine Gedanken heimlich an einen vergangenen Nachmittag vorbei, der die Erinnerung nicht zu schnell verlassen wollte. Dann komme ich mir plötzlich wieder albern vor, schwächelnd im eigenen Gemüt. Es ist mal wieder an der Zeit. Mit protestierender Zaghaftigkeit grüßt mein rechter Fußballen nun also den kalten Boden. Der Kopf schüttelt sich und schimpft dazu. Ich kann es ihm herzlich nur schwerlich verübeln. Der Tag sitzt der Nacht schon tief auf den Schultern; meine Gesinnung will sich einfach nicht in Gewohnheit und Unvernunft damit anfreunden. Es liegt ein vertrautes Gefühl auf den Lippen wie zu etwas jüngeren Zeiten, und ich frage mich abermals, ob es wohl wieder die Liebe ist. In solchen Momenten schweift man unhaltsam ab, in Gefilde, die sich mit Instranzparenz schmücken, begleitet von einem lakonischen Mundwerk. Wenn Gedanken dann an Dinge haften, die man versucht nicht zu vermissen, entflieht ein Seufzer schneller, als man es hörbar erhaschen kann. Ohne zu sprechen und sich wilden Worten zu bedienen, erzählt er über aufrichtiges Empfinden im mühelosen Schweigen. In mittelbarer Dezenz ersticke ich wohl gewöhnlich die aufkeimende Neigung mit fehlendem Skrupel, die nach belebender Luft ringt. Man fühlt sich in solchen Momenten wie ein revoltierender Held um fünf Uhr morgens, mit Budapester und Bass; ein Blick auf Dächer, die noch gähnend dösen. Die Ungebundenheit wird wie eine Zigarette geraucht, es sei die erste und die letzte, während man leidige Laster in die Luft bläst. Doch die Kurzlebigkeit spielt mit jener Idee vom beharrlichen Alleingang. Wenn ich hernach an morgen denke, weiß ich, dass mein Herz nicht stehen bleiben könnte, und nicht aufhören kann, weiter zu lieben.


© mimiroux

20120723

Zerbrechlichkeit.

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Ich möchte dich am liebsten entführen, zu meinen innigsten Gedanken geleiten, um dich dann doch fallen zu lassen, weil ich befürchte, du könntest den Weg zu meiner Zerbrechlichkeit finden.


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20120615

Verirrte und Verwirrte Gefühle.



Hin- und hergerissen. Es tanzt mir auf dem rümpfenden Näschen, ganz klein, ganz unbehaglich, und überaus fragwürdig. Der wirre Kopf, der verwirrter durch unerklärliche Wirrnis auch sonst sein kann, dass man nahezu genervt schnauben sollte. Liebenswürdiger macht es nämlich sowieso nicht, ich denks mir zweimal und noch mehrmals. Die Scheu zum Weglaufen erspar ich hierbei jedem, aber besonders demjenigen, der direkt neben meinem linken Fuß steht, und das jeden schönen Freitag. Wir können nicht erahnen, wie weit ein Schweigen oder Worte laufen können, wie tief sie fallen und krachend landen. Das Innere, die kleine affektive Welt, wovon der Verstand nicht groß versteht, lässt sich als Schuldiger verdächtigen und lacht dabei. Vielleicht weint es auch. Wer kann das schon so genau sagen, als weniger verheißungsvoll in den Himmel zu starren, eine blaue, unendlich nichtssagende Wand, die an verlorene Tagträume erinnert. Womöglich starrt man dabei letztendlich doch nur in den eigenen Kopf hinein, ahnt aber kaum was davon. Ich würde eigentlich meinen, es ginge sich leichtfüßiger, wenn man sich auf seine eigenen Paar Schuhe verlässt. Weder gnadenlos schnell, noch langatmig, weil es ein angegossener Schritt ist, den man alleine geht. Nun beschäftigt einem aber die ungewollte Frage über Ungewolltes, das vermeidbare Unvermeidbare, oder umgekehrt. Die Welle droht, ihre gewaltige Brust auszustrecken, und alles zu ertränken, was nicht bei Drei über die Gehirnsynapsen springt oder sich fluchtartig am hellen Verstand klammert. Auf einmal muss ich dann verwundert feststellen: 

"Ihr Herz ist zurzeit leider nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem nächsten Herzschlag oder fühlen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal."


Mein Kopf sprudelt und ich beschließe das nächste Mal das Wasser mit Kohlensäure einfach meinem Arbeitskollegen unterzuschieben. Am Besten in seinen stillen Tee.


© mimiroux

20120605

Ertrunken und erloschen.

Letzte Nacht tauchte ein ängstlicher Traum auf, mit schleichenden Füßen und kalten Händen. Es denkt, es atmet, es redet, haucht mich mit schweren Tränen an. Ein Keuchen, sie würgen, die Kehle herunterrinnend bis sie ein schmerzendes Husten entlocken. Durch Worte küsst es die Hände taub, lässt einen sehen, was niemals vollständig verstanden und nur affektiv gefühlt werden kann, in kurzlebigen Augenblicken. Taumelnd und rennend, auf der Suche nach das Weite in der Gefangenschaft zahlreicher Gedanken, so verwoben und verworren. Sie nennt sich neckisch eine trügerische Abbildung jener gefühlten Realitäten unseres Herz und Verstandes, die in Tiefen schwimmt, vergraben unter steilen Eisbergen ohne Aufzug. Es sind die müden Augen, die durch hübsche Räume tragen, dessen Gesichter sich verzerren, aus reiner Launenhaftigkeit um aufkeimende Furcht zu belächeln. Irgendwann wache ich auf. Mit wissenden Tränen zwischen der wachen Ahnungslosigkeit. Die späte Stunde ist noch nicht von meiner Seite gewichen, bis sie mich erneut verschlingt. Dann verstumme ich. Halte meinen Atem unter geschlossenen Lidern fest und schlucke das hinunter, wovon ich zu viel zu verbergen versuche. Das Feuer taucht brennend unter.


© mimiroux

20120601

Klangspiel.

Es war, als würd' ichs ganz und nimmer wahr haben wollen! Welch frühe Stund', kein Äuglein im tiefen Schlaf, mir schlottert schon der kleine Zeh! Stattdessen hör ich die sanft tänzelnde Klaviermelodie, im ersten Stock, gleich die Tür rechts, wenn ich an dich denke. Oder war das nur Vogelgezwitscher, das aufgeregt durch das Fenster schleicht? Manchmal klingt es wie ein hellwaches Flüstern, mit Worten versehen, die eine zärtliche Hingezogenheit weckt. Es ist so herzlich wahr, dass ich in Augenblicken mit liebevollen Verlockungen bleiben möcht', doch es zieht hier oben ein unfreundliches Brummen auf, sodass ich fast glaube, es sei der plötzlich schmerzende Kopf. Man neigt leicht dazu, es engherzig zu sehen, und schluckt man die paar Tränen, steht die Unverzagtheit wieder auf ihren Füßen. Das Gefühl lässt uns fühlen, wo reden zu viele Worte präsentieren; herzlicher, wie als würden wir uns an den Händen halten und mit Blicken küssen.


© mimiroux

20120515

Einsamkeit.


"Einsamkeit ist Unabhängigkeit, ich hatte sie mir gewünscht und mir erworben in langen Jahren. Sie war kalt, o ja, sie war aber auch still, wunderbar still und groß wie der kalte stille Raum, in dem die Sterne sich drehen."

- Hermann Hesse, "Der Steppenwolf"

Wir alle wünschen uns, bessere Menschen zu sein, die ihr eigenes Glück entweder durch eigener Hand mühsam schmieden oder zu Zeiten überraschend und fast in aller Zufälligkeit auflesen. Mit großzügigem Vertrauen, zu sich selbst und anderen, in Unabhängigkeit zur Welt und gleichzeitig in ihr verweilend. Ist es nicht das Einsamsein, das uns lehrt, nach Stärke zu streben, bevor man tiefer versinkt? So kalt, und grausam sie auch sein mag, sie kommt an stillen Tagen wie ein hustender Kirchenbesucher. Ich, mich selbst beobachtend, reflektierend, finde dann die vorgeblich heroische Unabhängigkeit, die sich darin verbirgt, doch statt der verkühlten Isolation stehe ich hier, in der großen Menge und sehe ihr nun erneut in die Augen. War die Welt nicht schon immer widersprüchlicher, nahezu irrsinnig, aber dennoch für sich selbst umso logischer? Ein Geschmack mit bitterer Süße zergeht auf der Zunge meiner sprunghaften Gedanken, bevor ich in jene Augen eines Antlitz blicke, die meiner Einsamkeit ein liebevolles Schweigen schenkt.



© mimiroux

20120330

Zwei Wölfe.




„Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend. “




„Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“




„Der Wolf, den ich füttere“.


- E.W.

20120320

don't get attached.



Diese Zeilen drängen barsch in die Ohren, als mein Herz keuchend hustet. Was für eine erbärmliche Situation. Wir scheitern zu oft, an unserem eigenen Wissen geheftet, dass nichts auf ewig hält, auf ewig bleibt und uns ständig eine Muse küsst, die kreativ etwas einflösst, das uns nahezu neurotisch befangen macht. Wir nennen uns dann Narr, der tragische Protagonist, und doch vielmehr könnte man uns als feigen Leichtfuß kennen, der nicht mehr und nicht weniger im eigenen Kopf festsitzt, verscharrt in tölpelhaft scheußlichen Gedanken. Widerwertige Dinger, kann ich nur sagen. Sie sind wie die Kämpfenden Formen, eingepfercht im goldenen Rahmen, der nur schweigen kann und Tränen gießt. Ich höre die Kälte seufzen, fast schon resigniert, als wäre sie fähig, wortlos meine Gemütslage zu lesen. Das Einzige, was wunderbar verhasst und in einer hämischen Haltung auf meiner Schulter sitzt, welches die nagende Beschämtheit aller Wirrnis dieses Abends unbekümmert ein Gläschen Sekt einschenkt, ist das hier: Schwäche.


© mimiroux

20120314

Sonnenmonument.


Die Welt in den Händen betrachtend, während ich hinabspaziere, an Orten mit größeren Monumenten, und lebendig wie der Fluss, der in deinen Augen fließt, weil direkt dahinter sich das Herz versteckt. Ich meine es mit Fantasie, denn sie verführt Gedanken zu malen, die herrlicher sind als ein versaillescher Palast in einer verbotenen Stadt oder impulsiver als das Jet d'eau im arabischen Dschiddah. Man möchte träumen, denn wir hoffen auf eine Realität, die wir fühlen können, abseits der Decke, bedeckt mit verwuscheltem Haar, das sich herzlich lockt und dir zuzwinkert, wenn man zufällig nicht hinschaut. Oft ist es nur eine Hand, ein unmerkliches Lächeln, und manchmal ein Wort, das wir nicht sofort erhaschen. Ein unverhohlenes Herz, hin und wieder nach dem Flüstern der Sterne lauschend, sobald die Sonne schlafen geht.


© mimiroux

Farbenpracht.

Meine Gedanken sind voll von dir, wild und farbenprächtig, dass mein Herz zwei Male mehr springt, als an jenem Morgen, an dem mich ein Herbsttag weckt. Es raschelt der unruhige Ast am Fenster, gleich neben mir, hereinspazierend mit einem Flüstern, das über liebliche Farben singt.


© mimiroux