Ich habs einmal gesehen, mehrmals gespürt, als wäre es das große Verliebtsein - immer, abermals und immer wieder. So beginnt nun mal eine Geschichte. Ein befremdliches aufwärts und abwärts, das mich mehr Nerven kostet, als vorhanden sein sollte, um jegliche Sehnsüchtigkeit zu verstehen. Vielleicht sind meine Gedanken auch viel zu verspielt, bei jedem Lächeln erpicht darauf, deine Reaktion zu sehen. All das Gewinnen, würd' ich fürs Verlieren setzen! Und doch bin ich zu sehr ins mutlose geraten, um das ehrliche Spiel zu wagen, das zu heiß, zu behaftet an sentimentale Touren ist, und einer feinen Maniküre nur klagend schadet. An falschem Glück mangelt es mir nicht, mein Blick an deinem hängend, ohne falsche Hoffnung auf die falsche Miene zu setzen. Ich finde es immerhin witzig, so tüchtig süchtig es einen auch macht. Galant lässt man sich deliziös andere Worte auf der Lippe zergehen mit fehlendem Gewissen fürs Ungewisse. Niemand möchte wohl gekränkt sein, aber mein Herz verließ mich, ganz hochnäsig und ohne viel Empathie für mein armes Leib, noch weniger für jener fremden Hoffnung, die warme Bekanntschaft zu machen. Man hat es sich verwettet, und ohne zu merken, mache auch ich mich innerlich davon.20121109
Flüchtige Gefühle.
Ich habs einmal gesehen, mehrmals gespürt, als wäre es das große Verliebtsein - immer, abermals und immer wieder. So beginnt nun mal eine Geschichte. Ein befremdliches aufwärts und abwärts, das mich mehr Nerven kostet, als vorhanden sein sollte, um jegliche Sehnsüchtigkeit zu verstehen. Vielleicht sind meine Gedanken auch viel zu verspielt, bei jedem Lächeln erpicht darauf, deine Reaktion zu sehen. All das Gewinnen, würd' ich fürs Verlieren setzen! Und doch bin ich zu sehr ins mutlose geraten, um das ehrliche Spiel zu wagen, das zu heiß, zu behaftet an sentimentale Touren ist, und einer feinen Maniküre nur klagend schadet. An falschem Glück mangelt es mir nicht, mein Blick an deinem hängend, ohne falsche Hoffnung auf die falsche Miene zu setzen. Ich finde es immerhin witzig, so tüchtig süchtig es einen auch macht. Galant lässt man sich deliziös andere Worte auf der Lippe zergehen mit fehlendem Gewissen fürs Ungewisse. Niemand möchte wohl gekränkt sein, aber mein Herz verließ mich, ganz hochnäsig und ohne viel Empathie für mein armes Leib, noch weniger für jener fremden Hoffnung, die warme Bekanntschaft zu machen. Man hat es sich verwettet, und ohne zu merken, mache auch ich mich innerlich davon.20121019
Funken wie zersprengte Diamanten.
Die Distanziertheit schlägt ihr wie ein erbarmungslos kalter Wind ins Gesicht. Dabei wurde ihr nicht einmal wirklich kalt. Das weiße Kleid rutscht, so wie etwas Warmes in ihr drin, wohl schon in der Magenhöhle umher baumelnd. Es pocht hart, wie ihr Kopf, gefüllt mit unzählbar unbändigen Worten. Sie seufzt, und erhofft sich still in dezenter Heimlichkeit, doch etwas zu erkalten, zumindest äußerlich. Am liebsten hätte sie ihre Jacke ganz ausgezogen, gegen den harten Boden geschmissen, und wäre nur sehr gern der anbrechenden Nacht gefolgt. Die Haare zerwühlend, den Blick zur Seite geneigt, fühlt sie, wie ihre Schuhe zur Seite knicken. Eine ablehnende Antwort auf diese Idee, ersichtlich. Indessen wünschen sich die Haarspitzen etwas heller zu sein, und sie schüttelt mit einem scheinbaren Schmunzeln, der keiner sein könnte, den Kopf. Abschied liegt in der Luft, und sie fragt sich, wie viel Courage sie schon verlassen hat. Mit der Tür, der vor ihrer Nase zuschlug. Neben ihr die halb vergessenen Momente, als die Torheit noch größer zu sein schien, während jede Verbundenheit mit nassem Trotz vergraben wurde und jene Leere den Hals hinabwanderten. Den halbherzigen Fragen dann zu entgehen, das Lächeln ins Gesicht klebend. Die Nacht sitzt ihr aber noch auf den Schultern, während der Schatten pfeifend auf ihrem Nacken hockt. Sie, wartend auf die ersten frühen Funken, die ihr etwas Erleichterung bringen würden. Funken, wie zersprengte Diamanten.20121014
Rosenhaar.
20120927
Fountain de Trevi.
Setzen wir uns hier zu Poseidon, reden wir über das Leben, Gott und die Welt. Das typische philosophische eben. Die Zeit vergeht ohnehin schneller als man denkt. Oder wir schweigen und beobachten gemeinsam die Temperamente des Wassers. Vielleicht werfen wir später eine Münze in den Brunnen, und kehren eines Tages an diesen Ort zurück. Ich bin ein spontaner Mensch.
© mimiroux
20120726
Mit Budapester und Bass, über den Dächern der Stadt.
Der kühle Luftzug weckt; er strampelt mit kalten Füßen gegen den Rücken, der sein abwesendes Gesicht nur sehr widerwillig gegen die Matratze drückt. Ein müder Nacken umarmt von weichen Federn, die sich in Kissenbezügen verstecken; mein Herz noch tief in weiße Bettlacken getaucht. Die Augen blinzeln. Es fühlt sich auf einmal ganz sandig an, unter den Zehen. Entdeckt werden die vertrockneten Tränen vom Vorabend, die während der Nacht liegen gelassen wurden. Noch verweilend zwischen den Armen eines neuen Tages und einer alten Nacht, spazieren indessen meine Gedanken heimlich an einen vergangenen Nachmittag vorbei, der die Erinnerung nicht zu schnell verlassen wollte. Dann komme ich mir plötzlich wieder albern vor, schwächelnd im eigenen Gemüt. Es ist mal wieder an der Zeit. Mit protestierender Zaghaftigkeit grüßt mein rechter Fußballen nun also den kalten Boden. Der Kopf schüttelt sich und schimpft dazu. Ich kann es ihm herzlich nur schwerlich verübeln. Der Tag sitzt der Nacht schon tief auf den Schultern; meine Gesinnung will sich einfach nicht in Gewohnheit und Unvernunft damit anfreunden. Es liegt ein vertrautes Gefühl auf den Lippen wie zu etwas jüngeren Zeiten, und ich frage mich abermals, ob es wohl wieder die Liebe ist. In solchen Momenten schweift man unhaltsam ab, in Gefilde, die sich mit Instranzparenz schmücken, begleitet von einem lakonischen Mundwerk. Wenn Gedanken dann an Dinge haften, die man versucht nicht zu vermissen, entflieht ein Seufzer schneller, als man es hörbar erhaschen kann. Ohne zu sprechen und sich wilden Worten zu bedienen, erzählt er über aufrichtiges Empfinden im mühelosen Schweigen. In mittelbarer Dezenz ersticke ich wohl gewöhnlich die aufkeimende Neigung mit fehlendem Skrupel, die nach belebender Luft ringt. Man fühlt sich in solchen Momenten wie ein revoltierender Held um fünf Uhr morgens, mit Budapester und Bass; ein Blick auf Dächer, die noch gähnend dösen. Die Ungebundenheit wird wie eine Zigarette geraucht, es sei die erste und die letzte, während man leidige Laster in die Luft bläst. Doch die Kurzlebigkeit spielt mit jener Idee vom beharrlichen Alleingang. Wenn ich hernach an morgen denke, weiß ich, dass mein Herz nicht stehen bleiben könnte, und nicht aufhören kann, weiter zu lieben.
20120723
Zerbrechlichkeit.

Ich möchte dich am liebsten entführen, zu meinen innigsten Gedanken geleiten, um dich dann doch fallen zu lassen, weil ich befürchte, du könntest den Weg zu meiner Zerbrechlichkeit finden.
© mimiroux
20120615
Verirrte und Verwirrte Gefühle.
Hin- und hergerissen. Es tanzt mir auf dem rümpfenden Näschen, ganz klein, ganz unbehaglich, und überaus fragwürdig. Der wirre Kopf, der verwirrter durch unerklärliche Wirrnis auch sonst sein kann, dass man nahezu genervt schnauben sollte. Liebenswürdiger macht es nämlich sowieso nicht, ich denks mir zweimal und noch mehrmals. Die Scheu zum Weglaufen erspar ich hierbei jedem, aber besonders demjenigen, der direkt neben meinem linken Fuß steht, und das jeden schönen Freitag. Wir können nicht erahnen, wie weit ein Schweigen oder Worte laufen können, wie tief sie fallen und krachend landen. Das Innere, die kleine affektive Welt, wovon der Verstand nicht groß versteht, lässt sich als Schuldiger verdächtigen und lacht dabei. Vielleicht weint es auch. Wer kann das schon so genau sagen, als weniger verheißungsvoll in den Himmel zu starren, eine blaue, unendlich nichtssagende Wand, die an verlorene Tagträume erinnert. Womöglich starrt man dabei letztendlich doch nur in den eigenen Kopf hinein, ahnt aber kaum was davon. Ich würde eigentlich meinen, es ginge sich leichtfüßiger, wenn man sich auf seine eigenen Paar Schuhe verlässt. Weder gnadenlos schnell, noch langatmig, weil es ein angegossener Schritt ist, den man alleine geht. Nun beschäftigt einem aber die ungewollte Frage über Ungewolltes, das vermeidbare Unvermeidbare, oder umgekehrt. Die Welle droht, ihre gewaltige Brust auszustrecken, und alles zu ertränken, was nicht bei Drei über die Gehirnsynapsen springt oder sich fluchtartig am hellen Verstand klammert. Auf einmal muss ich dann verwundert feststellen:
"Ihr Herz ist zurzeit leider nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem nächsten Herzschlag oder fühlen Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal."
Mein Kopf sprudelt und ich beschließe das nächste Mal das Wasser mit Kohlensäure einfach meinem Arbeitskollegen unterzuschieben. Am Besten in seinen stillen Tee.
© mimiroux
20120605
Ertrunken und erloschen.
Letzte Nacht tauchte ein ängstlicher Traum auf, mit schleichenden Füßen und kalten Händen. Es denkt, es atmet, es redet, haucht mich mit schweren Tränen an. Ein Keuchen, sie würgen, die Kehle herunterrinnend bis sie ein schmerzendes Husten entlocken. Durch Worte küsst es die Hände taub, lässt einen sehen, was niemals vollständig verstanden und nur affektiv gefühlt werden kann, in kurzlebigen Augenblicken. Taumelnd und rennend, auf der Suche nach das Weite in der Gefangenschaft zahlreicher Gedanken, so verwoben und verworren. Sie nennt sich neckisch eine trügerische Abbildung jener gefühlten Realitäten unseres Herz und Verstandes, die in Tiefen schwimmt, vergraben unter steilen Eisbergen ohne Aufzug. Es sind die müden Augen, die durch hübsche Räume tragen, dessen Gesichter sich verzerren, aus reiner Launenhaftigkeit um aufkeimende Furcht zu belächeln. Irgendwann wache ich auf. Mit wissenden Tränen zwischen der wachen Ahnungslosigkeit. Die späte Stunde ist noch nicht von meiner Seite gewichen, bis sie mich erneut verschlingt. Dann verstumme ich. Halte meinen Atem unter geschlossenen Lidern fest und schlucke das hinunter, wovon ich zu viel zu verbergen versuche. Das Feuer taucht brennend unter.
© mimiroux
20120601
Klangspiel.
Es war, als würd' ichs ganz und nimmer wahr haben wollen! Welch frühe Stund', kein Äuglein im tiefen Schlaf, mir schlottert schon der kleine Zeh! Stattdessen hör ich die sanft tänzelnde Klaviermelodie, im ersten Stock, gleich die Tür rechts, wenn ich an dich denke. Oder war das nur Vogelgezwitscher, das aufgeregt durch das Fenster schleicht? Manchmal klingt es wie ein hellwaches Flüstern, mit Worten versehen, die eine zärtliche Hingezogenheit weckt. Es ist so herzlich wahr, dass ich in Augenblicken mit liebevollen Verlockungen bleiben möcht', doch es zieht hier oben ein unfreundliches Brummen auf, sodass ich fast glaube, es sei der plötzlich schmerzende Kopf. Man neigt leicht dazu, es engherzig zu sehen, und schluckt man die paar Tränen, steht die Unverzagtheit wieder auf ihren Füßen. Das Gefühl lässt uns fühlen, wo reden zu viele Worte präsentieren; herzlicher, wie als würden wir uns an den Händen halten und mit Blicken küssen.
© mimiroux
20120515
Einsamkeit.
"Einsamkeit ist Unabhängigkeit, ich hatte sie mir gewünscht und mir erworben in langen Jahren. Sie war kalt, o ja, sie war aber auch still, wunderbar still und groß wie der kalte stille Raum, in dem die Sterne sich drehen."
- Hermann Hesse, "Der Steppenwolf"
Wir alle wünschen uns, bessere Menschen zu sein, die ihr eigenes Glück entweder durch eigener Hand mühsam schmieden oder zu Zeiten überraschend und fast in aller Zufälligkeit auflesen. Mit großzügigem Vertrauen, zu sich selbst und anderen, in Unabhängigkeit zur Welt und gleichzeitig in ihr verweilend. Ist es nicht das Einsamsein, das uns lehrt, nach Stärke zu streben, bevor man tiefer versinkt? So kalt, und grausam sie auch sein mag, sie kommt an stillen Tagen wie ein hustender Kirchenbesucher. Ich, mich selbst beobachtend, reflektierend, finde dann die vorgeblich heroische Unabhängigkeit, die sich darin verbirgt, doch statt der verkühlten Isolation stehe ich hier, in der großen Menge und sehe ihr nun erneut in die Augen. War die Welt nicht schon immer widersprüchlicher, nahezu irrsinnig, aber dennoch für sich selbst umso logischer? Ein Geschmack mit bitterer Süße zergeht auf der Zunge meiner sprunghaften Gedanken, bevor ich in jene Augen eines Antlitz blicke, die meiner Einsamkeit ein liebevolles Schweigen schenkt.
© mimiroux
20120330
Zwei Wölfe.

„Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend. “
„Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“
„Der Wolf, den ich füttere“.
- E.W.
20120320
don't get attached.
Diese Zeilen drängen barsch in die Ohren, als mein Herz keuchend hustet. Was für eine erbärmliche Situation. Wir scheitern zu oft, an unserem eigenen Wissen geheftet, dass nichts auf ewig hält, auf ewig bleibt und uns ständig eine Muse küsst, die kreativ etwas einflösst, das uns nahezu neurotisch befangen macht. Wir nennen uns dann Narr, der tragische Protagonist, und doch vielmehr könnte man uns als feigen Leichtfuß kennen, der nicht mehr und nicht weniger im eigenen Kopf festsitzt, verscharrt in tölpelhaft scheußlichen Gedanken. Widerwertige Dinger, kann ich nur sagen. Sie sind wie die Kämpfenden Formen, eingepfercht im goldenen Rahmen, der nur schweigen kann und Tränen gießt. Ich höre die Kälte seufzen, fast schon resigniert, als wäre sie fähig, wortlos meine Gemütslage zu lesen. Das Einzige, was wunderbar verhasst und in einer hämischen Haltung auf meiner Schulter sitzt, welches die nagende Beschämtheit aller Wirrnis dieses Abends unbekümmert ein Gläschen Sekt einschenkt, ist das hier: Schwäche.
20120314
Sonnenmonument.
Die Welt in den Händen betrachtend, während ich hinabspaziere, an Orten mit größeren Monumenten, und lebendig wie der Fluss, der in deinen Augen fließt, weil direkt dahinter sich das Herz versteckt. Ich meine es mit Fantasie, denn sie verführt Gedanken zu malen, die herrlicher sind als ein versaillescher Palast in einer verbotenen Stadt oder impulsiver als das Jet d'eau im arabischen Dschiddah. Man möchte träumen, denn wir hoffen auf eine Realität, die wir fühlen können, abseits der Decke, bedeckt mit verwuscheltem Haar, das sich herzlich lockt und dir zuzwinkert, wenn man zufällig nicht hinschaut. Oft ist es nur eine Hand, ein unmerkliches Lächeln, und manchmal ein Wort, das wir nicht sofort erhaschen. Ein unverhohlenes Herz, hin und wieder nach dem Flüstern der Sterne lauschend, sobald die Sonne schlafen geht.
© mimiroux
20120205
Träume und Verschwiegenheit.

Der Klang von einer fremden Stimme, die nach Klaviertasten schmecken. An der Hand streifend, vergleichbar mit einem schüchtern verliebten Mädchen, das sich nicht traut. Atmend wie ein Wind aus sibirischen Lungen, und schlafend wie der müde See an einem Morgen, den ich gestern noch besuchte. Er schlief mit offenen Augen, denn ich sah darin Lichter, die mir eine Geschichte über die Stadt erzählten, so, als könnte man direkt in heimliche Träume blicken. Die Locke, die verspielt vor mir springt, viel eher aus deinen lachenden Gedanken wachsend, als am stummen Kopf. Dabei blieb es eigentlich auch schon, schweigsam mit jeder Silbe, nach denen ich hoffnungsmilde lausche. Wenn ich gewartet hätte, auf langatmige Gefühle und ausdehnende Gedankenströme, stünde ich hier nur mit Worten, die nicht wüssten, was sie gestehen sollten. Vielleicht suche ich nur nach dir, deshalb flüchte ich, wieder und immer wieder. Innerlich verweile ich derweilen in einer gedachten Warteschlange, von der Neugier geflochten und verknotet mit elegant narrischer Verschwiegenheit. Die Lippen seufzen schließlich, die nicht anders können, als die Haut zu fühlen, die sie morgen vermissen werden.
20120114
Versinken und Ertrinken.
Ich stehe vor leeren Zeilen, gefüllt mit ungedachten Worten, die ausgedacht wurden, um neben meinen Gefühlen zu weilen, schlafend wie ein ruhiger und tröstender Sonntag. Ein bekannter Geschmack klebt auf der Zunge, wie der Überrest einer übersalzenen Suppe vom gestrigen Abend, lediglich etwas zärtlicher. Es ist so einfach im schönen Leichtsinn Fuß zu fassen, selbst an den martervollsten Böden, der mit kantigen Steinen übermantelt ist oder die schmeichelnden Meeresgründe, selbst wenn ihre Tiefe jene Lungen erstickend füllen, die es wagen ganz freimütig zu atmen. Es nennt sich die Unbeschreiblichkeit, die uns unbefangen an alle Orte trägt, und kennt ihre verschwisterte Narrheit, die unser Herz manchmal mehr blind als absichtlich bricht. Während man in Melodien versinkt, an viele alte Spaziergänge erinnernd, die nie wirklich existierten, flechte ich amüsiert einen dünnen Faden aus weinenden Tränen, um meine Torheit lieblos zu strangulieren. Manchmal glaubte ich tatsächlich, ich wüsste, wovon ich womöglich dachte. Ich blicke auf mich selbst, und sehe doch nur die fehlende Einzigartigkeit, wie leere Silben aus jenem Munde, die so schrecklich bequem darüber Wort verlieren. Was einen jetzt noch küsst, ist die Schuld, die man selbst unterschrieben hat. Der wirklich Einsame ist der unendliche Narr. Er versinkt und ertrinkt in seiner törichten Schwäche.
© mimiroux
20111230
...und morgen, flüchte ich einfach nach Paris.
Wenn ein Kapitel in meinem Leben begann, ging sie meist auch eines Nachts schneller zuende, als dass ich auch nur kurzatmig blinzeln könnte. Ich erhoffte mir nichts, sowie ich es nach wie vor nicht tue. Irgendwann hörte ich einfach auf zu rennen, nach etwas zu greifen, das zu weit vor mir lag und in der Ferne unerreichbar verblieb. Auf ewig bleibt letztendlich die Erinnerung, viel zu irrelevant um noch einmal gedacht zu werden. Wenn ich mich also nun entscheiden müsste, zwischen jemanden, der meine Hand hält, und einem anderen der sie loslässt, würde ich mich dazu entschließen, selbst zuerst loszulassen. Ich würde mich dann in Paris verirren und mich unauffindbar machen.
© mimiroux
20111129
Postkarte mit Lieben Grüßen: Dein Herz.
Ich streifte mit den kleinsten Gedanken die lauwarm behellte Passage entlang, fragte mich wieviele Herzen auf dieser Welt schon gebrochen wurden, und wo meins nun verloren ging. Ich könnte schwören, ich hätte es auf den Straßen von Paris wandern sehen, exakte 22 Komma 5317 Meter vom Tour d'Eiffel entfernt! Es sei irgendwann später vergnügt in eine belebte Gasse eingebogen. Dann verlor man jegliche auffindbare Spur. Wenn ich nun vom Katzenjammer sprechen würde, wäre ich nur mehr als sehr beleidigt. Schließlich befand ich mich in einer Stadt, der sich nach Moskau anhörte, wo einem bepelzte Köpfe stumm zunickten und ein duftender Mandelgeruch dezent die Nase grüßte. Der unterkühlte Wind dort kitzelte mich an den rosa Wangen, und der auf russisch denkende Baum steckte mir unbemerkt sein letztes Blatt ins Haar. Ich atmete kaum, und hielt die Luft an. Vielleicht war ich einfach auf naive Art neugierig, ob ich auch tatsächlich in jedem Moment tot umfallen würde. Ich werde es wohl niemals erfahren. Denn in diesem blinzelnden Augenblick kam mir der grotesk lächelnde Postbote aus der Haustür entgegen, ohrfeigte mich galant, und drückte mir eine Postkarte in die Hände. Sie kam aus der westlichen Hemisphäre, riechend nach Croissants und wärmeren Temperaturen. Schnappend nach Luft, drehte ich das Bild des Eiffelturms um:
"Verreist bin ich. Es geht um die ganze Welt, weit weit weg. Kümmere dich gut um dein Hirn. Auf Nimmerwiedersehen. Dein Herz."
Ich wollte kurz auflachen, aber meine Augenfalten waren schneller. Deshalb schmunzelte der Mund nur und ich knickte die Karte zusammen. Dann wurde mir auf einmal klar: Wenn jeder Weg dir noch so weit erschien, hattest du vielleicht einfach nie ein wahres Ziel vor Augen.
20111120
Herbsttanz.
Wie soll man nur im kühlen Herbst tanzen? Mein Kleid ist dafür viel zu kurz geraten, und mein Herz fürwahr resigniert, auf beklagenswerte Art, wie mir zu Ohren schlich. Wie edel auf einmal solche Worte sich so reizend präsentieren, aus deinem Munde klingt es wunderbar närrisch, ohne authentische Konnotation. Sie hängen bloß lasch an der Angel, die mehrdeutig zu oft ausgeworfen wurde. Die narzisstische Freude daran ist kaum verwunderlich noch bewundernswert. Anspruchslos belächle ich also dieses Treiben des üblichen Geplänkels, zu ridikülen Liebeleien neigend, von der ich im Grunde herzlich mehr und weniger verstehe, als mir je lieb ist. Ist das Ganze nicht ein seltsames Spiel? Wirft man einen Blick auf die kleine Erinnerung, wird man nur feststellen, dass sie schon wieder ein Jahr älter geworden ist. Ich folge dir heute nicht, auch nicht morgen - stattdessen hoffe ich, dass du einen Gedanken an mich für den übermorgen aufhebst. Ein Herz auf der Hand, mein Kopf in der Hosentasche, stattdessen viel Farbe und Fantasie an jedem Morgen.
© mimiroux
20111029
Adieu Welt.
Wundervoll. Diese vielen, vielen Gesichter schon am Morgen. Aber warum beschwere ich mich? Während ich hier in einem komischen Loch befinde namens krea-tief, nicht wirklich wissend was das jetzt bedeuten mag, krame ich ein verstaubtes altes Lied aus meinem Schrank hervor, das sich prompt wieder fest in meinem Kopf einnistet. Listig, diese Dinger, aber man fühlt sich gut dabei. Bin ich eigentlich wieder in eine kleine Rolle geschlüpft? Für mich war sie immer etwas größeres, aber irgendwann doch "old fashioned". Heutzutage geht es ja mit anderen Dingen zu. Anstatt sich die verliebten Gefühle gedankenzerbrechend zurechtzulegen, liegt man einfach nachts im Bett und hört auf dem Handy bedingt rauschfreies Radio. Man hüpft sich durch die vielen Kanäle durch bis entweder ein guter Oldie Song in den Ohren tanzt, irgendwelche Instrumentalisten namens René Oswald verkündet werden, am Thema Schuldenkrise und Co. stundenlang gelutscht, oder den Nachtlauscher selbstgeschriebene Prosa mit dem übergreifenden Titel "Texte aus der goldenen Feder des Chefs: Scheiß auf Schiller - Wosch liest Wosch" präsentiert wird, nachts um halb 1 Uhr. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen und nun sitze ich hier und höre wieder einmal dieses Lied. Aber die Sonne vermisst mich schon. Und ich vermisse einige Leute da draußen in der Wildnis und Stadtgewimmel. Adieu Welt!
© mimiroux
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